Arbeitsrecht für Zweit-Job oder Nebenjob

Arbeitsrecht für Zweit-Job oder Nebenjob - 5.0 out of 5 based on 1 vote
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Ratgeber620

Bei immer mehr Angestellten reicht das Einkommen nicht aus. Die naheliegende Lösung ist dann oft ein Zweitjob. Doch dabei gilt es einiges vorab zu klären. Denn wird heimlich gejobt, kann eine Kündigung drohen.


Was ist überhaupt eine Nebentätigkeit?

Jede Tätigkeit eines Arbeitnehmers, die außerhalb seiner Hauptarbeit ausgeübt wird. Dies kann also auch ein zweiter Job beim gleichen Arbeitgeber sein oder sogar eine ehrenamtliche Tätigkeit.


Wann muss der Arbeitgeber einen Nebenjob genehmigen?

Wenn dies im Arbeitsvertrag oder in einem auf das Arbeitsverhältnis anwendbaren Tarifvertrag geregelt ist. Ansonsten sind Nebentätigkeiten im Prinzip auch ohne Genehmigung erlaubt. Denn eigentlich darf ein Arbeitnehmer außerhalb der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit machen, was er möchte.


Welche Regelungen gelten im öffentlichen Dienst?

Jede Nebentätigkeit muss sich der Arbeitnehmer, egal ob Beamter oder Arbeiter, genehmigen lassen.


Muss eine Nebentätigkeit dem Arbeitgeber angezeigt werden?

Dies ist häufig in Arbeitsverträgen vorgesehen. Jedenfalls dann, wenn durch die Nebentätigkeit berechtigte Interessen des Arbeitgebers bedroht sind, muss dieser in der Regel informiert werden.


Wann ist eine Nebentätigkeit unzulässig?

Eine Nebentätigkeit ist dann unzulässig, wenn der Hauptjob darunter leidet. Beispielsweise

- wenn eine anstrengende Nebentätigkeit der Arbeitnehmer zu sehr beansprucht. Wer ständig müde ist, kann seinen (Haupt-)Arbeitsvertrag nicht erfüllen.
- wenn sich der Arbeitnehmer im Urlaub nicht erholt, sondern bei einem Nebenjob verausgabt
- wenn der krankgemeldete Arbeitnehmer mit dem Nebenjob den Heilungsprozess verzögert
- wenn der Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber durch seine Nebentätigkeit unzulässig Konkurrenz macht
- wenn die Arbeitszeiten zusammengerechnet die nach dem Arbeitszeitgesetz zulässige Höchstgrenze überschreiten (8 bis maximal 10 Stunden täglich, bei entsprechendem Zeitausgleich)


Was passiert, wenn der Arbeitgeber von einem heimlichen Nebenjob erfährt?

War die Nebentätigkeit unzulässig, muss der Arbeitnehmer mit einer Abmahnung rechnen. Die Abmahnung kommt in die Personalakte! Je nach dem Umfang des Pflichtverstoßes kann dem Nebenjobber auch gekündigt werden. Wird dem Arbeitgeber illegal Konkurrenz gemacht, rechtfertigt dies unter Umständen sogar die fristlose Kündigung.


Darf der Chef den Nebenjob verbieten?

In der Regel nicht. Klauseln im Arbeitsvertrag, die generell weitere Tätigkeiten verbieten, sind ungültig. Aber: Will man bei der Konkurrenz jobben, darf der Chef die Rote Karte zeigen. Wer sich nicht daran hält, riskiert die Kündigung. Es ist ebenfalls verboten, den Urlaub im Hauptberuf für die Ausübung eines Zweit-Jobs zu nutzen. Wer dagegen verstößt, kann abgemahnt und schließlich entlassen werden.


Welche Möglichkeiten für einen Zweit-Job gibt es eigentlich?

Man kann z.B. einen Minijob annehmen. Die Höchstgrenze liegt hier bei 450 Euro/Monat bzw. 5400 Euro im Jahr. Durch plötzliche Ereignisse, etwa Krankheitsvertretung, darf das Limit zweimal pro Jahr überschritten werden. Für Weihnachts- und Urlaubsgeld gilt das nicht, weil es vorhersehbar ist. Wer zwischen 450,01 Euro und 850 Euro im Monat dazuverdient, hat einen sogenannten Midi-Job.
Vorteil: Die Sozialabgaben sind gering. Wer etwa 450,01 Euro verdient, zahlt vier Prozent davon als Beitrag zur Sozialversicherung. Der steigt je nach Verdienst bis auf den Höchstsatz von 20 Prozent an (beim Lohn von 850 Euro/Monat). Nachteil: Wer zum Midi-Job bereits einen Haupterwerb hat, wird immer in Steuerklasse VI eingestuft.


Wie hoch ist die Steuer beim Minijob?

Beim Minijob zahlt zunächst der Chef eine Pauschale von zwei Prozent ans Finanzamt. Solidaritätszuschlag, Kirchen- und Lohnsteuer sind damit abgegolten. Den Betrag darf er mit der Lohnabrechnung auf die Arbeitnehmer abwälzen.
Vorsicht! In den Lohnsteuerklassen V und VI gelten höhere Sätze. Bei einem Entgelt von 450 Euro fallen 43,87 Euro bzw. 57,03 Euro an.


Welche Beiträge zur Sozialversicherung werden fällig?

Die übernimmt der Arbeitgeber pauschal. Ausnahme: Der Beschäftigte möchte in vollem Umfang rentenversichert sein. Das muss er der Firma schriftlich mitteilen. Dann kommen zur Arbeitgeber-Pauschale (15 Prozent) weitere 3,9 Prozent hinzu. Die zahlt man jedoch selbst.


Und was gilt für Rentner? Wie viel dürfen sie dazuverdienen?

Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat, kann ohne Beschränkungen hinzuverdienen. Egal, ob Mini- oder Midi-Job, der Arbeitgeber trägt die Pauschale zur Sozialversicherung.

Tipp: Je nach Art der Tätigkeit müssen Steuern und Abgaben gezahlt werden. Wer sich vorwiegend aus finanziellen Gründen für eine Nebentätigkeit entscheidet, sollte sich vorher genau ausrechnen (lassen), was wirklich übrig bleibt.

Achtung: Für Personen, die Hinterbliebenen- oder Erwerbsminderungsrenten beziehen, gelten Obergrenzen. Diese sollte man beim Rentenversicherungsträger erfragen.


Erhalten Aushilfen einen niedrigeren Stundenlohn?

Nein. Es ist nicht erlaubt, Teilzeitkräfte geringer zu entlohnen als die ganztags arbeitenden Kollegen. Haben aber Aushilfen eine geringere Qualifikation als die übrige Belegschaft, sind Abstriche gerechtfertigt.


Welchen Urlaubsanspruch hat man im Zweitjob?

Der gesetzlich vorgeschriebene Mindesturlaub von 20 Tagen bzw. von vier Wochen darf nicht unterschritten werden.

 


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