Pflichtfortbildung für Fachanwälte

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Fachanwälte, die ihren Titel behalten wollen, müssen ab 1.1.2015 jährlich 15 Fortbildungsstunden anstatt der bisher üblichen 10 Stunden nachweisen. Allerdings haben die Fachanwälte nun auch die Möglichkeit, zumindest einen Teil der Fortbildung im Selbststudium zu absolvieren.


Steigende Anforderungen an die Qualifikation

Die Zahl der zugelassenen Rechtsanwälte mit Fachanwaltstitel steigt seit Jahren. Beliebt ist der Titel, der mittlerweile in insgesamt 21 Rechtsgebieten erworben werden kann, vor allem wegen der besseren Verdienstmöglichkeiten und als Instrument der Mandantenakquise. Angestellte Rechtsanwälte erhalten für ihren Fachanwaltstitel in der Regel einen Gehaltsbonus, während selbstständige Anwälte von höheren Umsätzen profitieren, indem sie sich von der Konkurrenz absetzen und spezielle Qualifikationen nachweisen können. Doch mit der Absolvierung eines Fachanwaltslehrganges ist es nicht getan. Wer den Titel behalten möchte, muss der örtlichen Anwaltskammer ab Januar 2015 jedes Jahr mindestens 15 Fortbildungsstunden nachweisen. Alternativ kann ein Teil der Fortbildung auch durch Publikationen im jeweiligen Fachgebiet sowie, das ist neu, im Selbststudium absolviert werden.


Inhaltliche Gestaltung der Fortbildung

Fachanwälten stehen also mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, die Fortbildungspflicht zu erfüllen. Diese sind in § 15 der Fachanwaltsordnung geregelt. Demnach können die Fachanwälte entweder wissenschaftlich in ihrem Fachgebiet publizieren, hörend oder dozierend an Fortbildungsveranstaltungen teilnehmen oder die Fortbildung im Wege des Selbststudiums mit Lernzielkontrolle durchführen. Zu beachten ist, dass die Fortbildungsveranstaltungen von der Anwaltskammer zugelassen sein müssen. Dies soll gewährleisten, dass die Veranstaltungsinhalte auch tatsächlich die Qualifikation der Teilnehmer im jeweiligen Rechtsgebiet verbessern. Der Nachweis erfolgt über eine Bescheinigung, die den Teilnehmern am Ende der Veranstaltung ausgestellt wird. Wer keine Zeit für Präsenzveranstaltungen hat, kann auch an online durchgeführten Fortbildungsveranstaltungen teilnehmen. Voraussetzung hierfür ist, dass die Anwesenheit der Teilnehmer kontrolliert werden muss. Dies erfolgt in der Regel über Videochats, für die eine Webcam benötigt wird.


Selbststudium und Lernerfolgskontrolle

Auch die neu eingeführte Möglichkeit des Selbststudiums kommt den Fachanwälten zu Gute, die für den Besuch von Fortbildungsveranstaltungen bisher längere Anfahrtszeiten in Kauf nehmen mussten. Zudem ist davon auszugehen, dass hierdurch nicht nur eine zeitliche, sondern auch eine finanzielle Ersparnis im Vergleich zu den recht teuren Fortbildungsveranstaltungen möglich wird. Wie die von § 15 FAO vorgesehene Lernerfolgskontrolle in der Praxis aussehen wird, lässt sich derzeit nur erahnen. Höchstwahrscheinlich werden die bisher am Markt vertretenen Anbieter von Fortbildungsveranstaltungen Lernmaterialien zu Verfügung stellen, die im Selbststudium durchzuarbeiten sind. Am Ende findet dann eine Leistungskontrolle in Form einer Abfrage dieser Inhalte statt, wie es sie bereits jetzt am Ende der Lehrgänge zur Verleihung des Fachanwaltstitels gibt. Von den nun vorgeschriebenen 15 Fortbildungsveranstaltungen können bis zu fünf Stunden im Wege des Selbststudiums ersetzt werden.


Fortbildung durch Publikation

Wie bisher wird es auch möglich sein, den Fortbildungsnachweis durch wissenschaftliche Publikationen in dem Fachgebiet zu erbringen, in dem der Fachanwaltstitel erworben wurde. Für den Anrechnungszeitraum ist dabei alleine das Veröffentlichungsdatum der Publikation maßgeblich, nicht das Erstellungsdatum. Zum formalen Nachweis der Publikation wird eine Kopie an die örtliche Anwaltskammer geschickt, bei der Mitarbeit an Büchern genügt eine Kopie des Inhaltsverzeichnisses, aus dem sich der Name des Autors ergibt. Bisher konnten alle zehn vorgeschriebenen Fortbildungsstunden durch die Veröffentlichung eines einzigen Aufsatzes ersetzt werden. Ob dies auch für die ab 1.1.1015 geltenden zusätzlichen fünf Stunden der Fall sein wird, ist derzeit noch nicht bekannt. Nichts ändern wird sich jedenfalls am Ersatz der Fortbildungsstunden durch das Verfassen einer Urteilsanmerkung. Diese führt, je nach Umfang, nach wie vor zum Ersatz von zwei bis drei Pflichtfortbildungsstunden.


Fortbildungspflicht für Fachanwälte nach § 15 FAO

§ 15 FAO schreibt die Fortbildungsmaßnahmen für alle Anwälte vor, die einen Fachanwaltstitel erworben haben. Anwälte ohne Fachanwaltstitel sind davon also nicht berührt. Fachanwälte, die in einem Jahr nicht an der geforderten Anzahl von Fortbildungsstunden teilnehmen, müssen die fehlenden Stunden im kommenden Jahr nachholen. Ansonsten droht der Widerruf des Fachanwaltstitel nach § 43c Abs. 4 Satz 2 BRAO. Es ist jedoch zu beachten, dass es sich dabei um eine Ermessensvorschrift handelt. Die Anwaltskammer muss bei ihrer Entscheidung sämtliche Umstände des Einzelfalles berücksichtigen. Konnte der Fachanwalt etwa wegen längerer Krankheit, Auslandsaufenthalten oder ähnlichen Gründen keine Fortbildungsleistungen erbringen, wird der Widerruf des Fachanwaltstitels in der Regel nicht angezeigt sein.


Alle Anwälte haben eine Fortbildungspflicht

Eine Pflicht zur Fortbildung ergibt sich jedoch nicht nur für Fachanwälte, sondern auch für alle anderen Anwälte, gem. § 43 a Abs. 6 BRAO. Im Unterschied zu § 15 FAO liegt gleichwohl keine Nachprüfung dieser Pflicht vor. Eine Sanktionierung bei Nichtbeachtung ist somit ausgeschlossen. Gleichwohl kann die Teilnahme an Kursen und Seminaren einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, da mit entsprechend erlangten Zertifikaten die Fortbildung belegt werden kann. Die Bundesrechtsanwaltskammer vergibt dafür beispielsweise das Zertifikat „Qualität durch Fortbildung“. Doch hier enden nicht schon die möglichen Vorteile: weiterhin erhält der Inhaber solcher Zertifikate oft einen Prämiennachlass auf Haftpflichtversicherungen. Ähnliche Fortbildungsbescheinigungen vergibt auch der Deutsche Anwaltsverein. Damit zahlen sich Fortbildungen für alle Anwälte aus.


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