Streit unter Erben kann vermieden werden

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Ratgeber620

Ein enger Verwandter ist verstorben und schon beginnt oft der Kampf ums Erbe. Dabei lassen sich viele Streitpunkte bereits im voraus regeln. Wir erklären die wichtigsten Sachverhalte des Erbrechts.

Gilt ein Hand geschriebenes Testament?
Ja, sofern der Erblasser darin angegeben hat, wann und wo er den letzten Willen errichtet und ihn mit vollständigem Namen unterschrieben hat. Wichtig! Eine signierte Schreibmaschinen-Seite ist nichtig. Findet man ein Testament, gibt man es beim Nachlass-Gericht ab. Wurde das Testament hinterlegt (Notar, Gericht), werden die Erben benachrichtigt. Lag kein Testament vor, tritt die gesetzliche Erbfolge ein.

Steht der Witwe immer die Hälfte vom Erbe zu?
Nur bei der gesetzlichen Zugewinngemeinschaft. Denn laut gesetzlicher Erbfolge erhält der Gatte stets ein Viertel des Nachlasses und darf gemäß § 1932 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) Hausrat und Hochzeitsgeschenke behalten. Darüber hinaus kommt als pauschalierter Zugewinnausgleich ein weiteres Viertel hinzu (§ 1371 Abs. 1 BGB). War Gütertrennung vereinbart? Dann fällt das Erbe zu gleichen Teilen der Witwe und den Kindern des Verstorbenen zu. Hatte der drei oder mehr Kinder, erhält die Witwe 25 Prozent (§ 1931 Abs. 1-4 BGB), nach kinderloser Ehe 50 Prozent. In diesem Fall teilen sich Geschwister oder Eltern des Verstorbenen den Rest.

Was regelt eine Teilungsanordnung?
Gemäß § 2048 BGB kann man im Testament festlegen, wie der Nachlass aufzuteilen ist. Achtung! Trotz Teilungsanordnung können die Erben bei Sachgütern untereinander Wertausgleich fordern. Deshalb Schmuck, Immobilien, Münz- und Briefmarken-Sammlungen von Gutachtern schätzen lassen.

Beispiel: Ein Mann hinterlässt Frau und Sohn, beide sollen zu 50 Prozent erben. Laut Teilungserklärung erhält die Witwe seine Wohnung (Wert: 140.000 Euro). Dem Sohn vermacht er sein Auto, der Wert: 40.000 Euro. Von der Differenz (100.000 Euro) steht dem Jungen die Hälfte zu. Ausnahme: Der Erblasser hat ein Voraus-Vermächtnis verfasst. Das berechtigt einen Erben zu einer Begünstigung, bevor der Nachlass geteilt wird. Wäre das in unserem Beispiel die Frau, bräuchte sie dann keinen Ausgleich zu zahlen. Dabei darf man nicht übersehen, dass gesetzliche Erben, die weniger als den halben gesetzliche Erbteil (Pflichtteil) erhalten, stattdessen diesen Pflichtteil in bar ausgezahlt verlangen können.

Was passiert, wenn ein Erbe nicht gefunden werden kann?
Am Nachlass-Gericht die öffentliche Zustellung (Aushang, Frist von mindestens sechs Wochen) beantragen. Danach gibt es den Erbschein.

Wie fordern Erben ihren Pflichtteil ein?
Mit einem Testament kann der Erblasser jederzeit die gesetzliche Erbfolge ändern und bestimmen, wer stattdessen Erbe sein soll. Er kann also grundsätzlich über seinen gesamten Nachlass frei verfügen. Deshalb kann er auch missliebige gesetzliche Erben von der Erbfolge ausschließen. Für die Abkömmlinge, die Eltern und Ehegatten des Erblassers sieht das Gesetz aber in diesem Fall Pflichtteilsansprüche vor. Der Pflichtteil ist der Anspruch gegen den testamentarischen Erben auf Zahlung einer Geldsumme in Höhe des Wertes des halben gesetzlichen Erbteils. Der Pflichtteil wird geltend gemacht, indem Zahlung verlangt wird. Wer die Höhe des Erbes nicht kennt, kann vom Erben aber zunächst auch Auskunft verlangen. Gibt der Erbe keine Auskunft oder zahlt er nicht, muss geklagt werden. Der Pflichtteilsanspruch verjährt drei Jahre ab Kenntnis von Erbfall und Testament. Er kann nur in ganz besonderen Ausnahmefällen entzogen werden, dazu zählen wenn der Erbe dem Erblasser nach dem Leben trachtet, der Erblasser vorsätzlich körperlich misshandelt wurde, wenn die dem Erblasser gegenüber gesetzlich obliegenden Unterhaltspflichten böswillig verletzt werden oder wenn der Abkömmlinge einen ehrlosen oder unsittlichen Lebenswandel wieder den Willen des Erblassers führt

Was ist, wenn vorher etwas vom Erbe verschenkt wurde?
Auch hier sind die Abkömmlinge, die Eltern und Ehegatten des Erblassers durch das Gesetz geschützt. Der Erblasser kann in der Regel den Pflichtteil nicht dadurch entziehen, dass er zu Lebzeiten alles verschenkt. Der Pflichtteil beträgt auch dann nach wie vor die Hälfte des gesetzlichen Erbes. Aber gegen den Beschenkten kann ein Pflichteilsergänzungsanspruch geltend gemacht werden. Es kann der Betrag verlangt werden, um den sich der Pflichtteil erhöht, wenn der verschenkte Gegenstand dem Nachlass hinzugerechnet wird. Die Schenkung bleibt unberücksichtigt, wenn seit der Schenkung zehn Jahre verstrichen sind. Bei Ehegatten beginnt diese Frist aber nicht vor Auflösung der Ehe! Unberücksichtigt bleiben übrigens auch Anstandsschenkungen.

Was passiert, wenn mehrere Testamentsfassungen vorliegen?
Ein einfaches, handschriftliches Testament ist grundsätzlich nichts endgültiges. Es kann vom Erblasser jederzeit widerrufen werden. Tauchen zwei Fassungen auf gilt die ältere Fassung als widerrufen und die jüngere Fassung zählt. Wer von der Erbtante ein Testament "in Verwahrung" bekommt, kann also nie sicher sein, dass schon am nächsten Tag ein neues Testament geschrieben wird. Tipp: Um Streitigkeiten zu vermeiden sollte der Erblasser unbedingt das genaue Datum im Testament mit angeben.

Kann ein Testament widerrufen werden?
Das Testament kann vom Erblasser jederzeit vernichtet werden. Dies gilt als Widerruf. Wurde ein Testament in amtliche Verwahrung genommen und vom Erblasser zurückgefordert, stellt dies auch einen Widerruf dar.

Was mache ich, wenn man sein Testament ändern möchte?
Entweder kann man das gesamte Testament neu schreiben. So viel Mühe braucht man sich aber nicht zu machen. Es reicht auch, wenn man testiert, dass das alte Testament vom (genaues Datum angeben) gültig bleibt, aber einige Verfügungen von dem neuen Testament abgeändert werden.

Sind Durchstreichen und überschreiben im Testament erlaubt?
Ja, wird ein Testament verändert, nimmt der Jurist an, dass das Testament zum Teil widerrufen wurde. Bei Streichungen und Ergänzungen zur Sicherheit Datum und Unterschrift daneben schreiben.

Wann ist das Testament ungültig?
Ein Testament muss nicht nur eigenhändig unterschrieben werden, sondern vor allem auch eigenhändig geschrieben werden! Eine unterschriebene Schreibmaschinenseite ist also kein gültiges Testament.

Wann kann man sein Testament nicht frei widerrufen?
Es gibt Situationen, da möchten die Erben Gewissheit haben oder haben selbst Testamente errichtet im Vertrauen darauf, dass sie andererseits auch als Erbe eingesetzt sind. So etwas kommt beispielsweise bei einem Berliner Testament oder einem Erbvertrag vor. Haben sich Eheleute in einem gemeinsamen Testament gegenseitig als Erben eingesetzt, kann nur ausnahmsweise unter bestimmten Vorraussetzungen das Testament noch geändert werden.

Wer hilft bei der richtigen Formulierung?
Welcher Laie kann schon sicher sein, dass er einen juristischen Fachbegriff auch richtig versteht. Was genau ist denn der Unterscheid zwischen "Vermächtnis" und "Erbschaft"? Ist wirklich ein "befreiter Vorerbe" gewollt? Kommt es zum Streit, entscheidet das Gericht. Nachdem also Juristen auslegen, wie eine bestimmte Formulierung gemeint ist, sollte man das Testament mit Hilfe eines Juristen errichten. Am besten wendet man sich hierbei an einen fachkundigen Rechtsanwalt. Vergewissern Sie sich aber unbedingt vorher, wie hoch die Rechnung sein soll.

Kann ein ungeborenes Kind erben?
Wird ein Kind erst nach dem Erbfall geborenen, wird es so behandelt, als sei es schon im Zeitpunkt des Erbfalles auf der Welt. Das ungeborene Kind kann also gesetzlicher Erbe werden. Es muss aber schon vor dem Erbfall gezeugt und nach dem Erbfall lebend geboren worden sein. Ein im Erbfall noch nicht gezeugtes Kind kann nur testamentarisch zum Erben eingesetzt werden.

Können auch juristische Personen erben?
Juristische Personen z.B. die Kirche, eine Stiftung oder die Gemeinde sind rechtsfähig und können deshalb auch erben. Dem Träger eines Heimes ist es grundsätzlich gesetzlich untersagt, sich von oder zu Gunsten von Bewohnern Geld oder geldwerte Leistungen über das vereinbarte Entgelt hinaus versprechen oder gewähren zu lassen. Gleiches gilt für Personen welche Zuhause Fremde pflegen. Somit kann auch im Allgemeinen nicht mit einem Testament etwas an ein Heim verteilt werden.

Können Haustiere zum Erben bestimmt werden?
Nein. Auch wenn man oft etwas anderes in den Schlagzeilen liest. Aber so etwas ähnliches wie eine Erbschaft lässt sich in Deutschland testamentarisch konstruieren. Eine natürliche Person (z.B. Haushälterin) oder eine juristische Person (z. B. Tierschutzverein) erhalten als Vermächtnis eine bestimmten Geldbetrag. Dieses Vermächtnis ist mit der Auflage verbunden, das Haustier auf Lebensdauer gut zu versorgen. Die Versorgung kann bis ins kleinste Detail geregelt und über einen Testamentsvollstrecker überwacht werden.

Lässt sich die Grabpflege vererben?
Auch das eigene Grab und dessen Pflege kann "vererbt" werden. Im Testament kann den Erben zur Auflage gemacht werden, das Grab zu pflegen und regelmäßig mit den üblichen Grabschmuck zu versehen. Um diese Auflage zu überwachen kann auch ein Testamentsvollstrecker eingesetzt werden.

 


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