Das sollten Sie über die neue Gebührenordnung für Anwälte und Notare wissen

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Ratgeber620

Streit vor Gericht wird teurer: Nach der am 1. August 2013 in Kraft getretenen Gebührenordnung steigen die Preise für Anwälte, Notare und Gerichte um bis zu 19 Prozent. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Ist das erste Gespräch beim Anwalt eigentlich immer gratis?
Nein. Selbst wenn man sich mit den Worten "Ich hätte mal eine Frage ..." an einen Anwalt wendet, kann der Jurist für seine Tipps eine Gebühr nehmen. Beim kurzen Telefonat fällt die geringer aus als beim Erstgespräch in seiner Kanzlei, das höchstens 190 Euro kosten darf.

Gibt es eine Pauschale für die Beratung?
Fachkundiger Rat bzw. ein außergerichtliches Gutachten werden grundsätzlich nicht teurer als 250 Euro. Liegt der Aufwand hoch, kann aber ein Aufschlag fällig werden.

Werden durch die neue Gebührenordnung auch die Rechtsschutz-Versicherungen teurer?
Ja, das kann passieren. Die Unternehmen müssen den Kunden aber eine Preiserhöhung mitteilen. Lehnt man die Erhöhung ab, gilt meist in einer Frist von vier Wochen das Sonderkündigungsrecht. Vorsicht! Die Prämien für Neuverträge können ebenfalls steigen - daher unbedingt vor Wahrnehmung des Sonderkündigungsrecht auf Internet-Versicherungsvergleichsportalen die aktuellen Angebote vergleichen!

Wie setzen sich die Gebühren zusammen?
Gerichts- und Anwaltskosten errechnen sich wie bisher nach dem Streitwert.

Wer trägt die Kosten eines Rechtsstreits?
Meistens der Verlierer. Es gibt aber Ausnahmen: Vorm Arbeitsgericht in erster Instanz übernimmt jeder die eigenen Ausgaben. Bei einer Scheidung teilt man sich die Gerichtskosten, zahlt den Anwalt selbst.

Verlangt der Notar jetzt auch mehr?
Ja. Für notarielle Verträge gilt ebenfalls eine neue Gebührenverordnung. Das Honorar richtet sich nach dem Betrag, um den es in der jeweiligen Vereinbarung geht. Beispiel: Ein Testament für eine Erbmasse von 200.000 Euro kostete bisher 428,40 Euro, nun 541,45 Euro.

Brauche ich immer einen Anwalt?
Ohne Rechtsanwalt kann man vor deutschen Landgerichten weder eine Klage einreichen noch im Prozesstermin auftreten. Auch um in Berufung zu gehen, muss stets ein Rechtsanwalt eingeschaltet werden. Nur vor Amtsgerichten darf man in der Regel ohne Rechtsanwalt klagen. Amtsgerichte sind aber nur für Klagen bis 5000 Euro zuständig.

Wie hoch liegen die Anwaltskosten jetzt für konkrete Streitwerte?
Bei einem Streitwert unter 600 Euro hat sich nichts geändert, die Anwaltsgebühr beträgt weiterhin 45 Euro. Von 600 bis 1099 Euro Streitwert fallen 115 Euro Anwaltsgebühr an (bisher 85 Euro). Von 1100 bis 5999 Euro Streitwert fallen 354 Euro Anwaltsgebühr an (bisher 338 Euro). Von 6000 bis 12999 Euro Streitwert fallen 604 Euro Anwaltsgebühr an (bisher 526 Euro). Von 13000 bis 24999 Euro Streitwert fallen 788 Euro Anwaltsgebühr an (bisher 686 Euro).
Berechnungsgrundlage: Vergütung für außergerichtliche Tätigkeiten, 1,0-Gebühr nach der Rechtsanwaltsgebührenordnung.

Quelle für die Fallbeispiele: Bundesrechtsanwaltskammer

 


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