Für wen sich eine Prozessfinanzierung lohnt

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Gerichtssaal620

Prozessfinanzierer sind private Unternehmen, die sich auf die Finanzierung von Gerichtsverfahren spezialisiert haben. Wenn die Voraussetzungen einer Prozessfinanzierung vorliegen, kann das Kostenrisiko für den Kläger - vollständig - umgangen werden.


Wann kommt eine Prozessfinanzierung in Betracht?

Ein Gerichtsverfahren um hohe Streitwerte ist grundsätzlich mit einem erheblichen Kostenrisiko verbunden. Bei einer Niederlage vor Gericht muss nicht nur der eigene Anwalt bezahlt werden, auch die Anwaltskosten der Gegenseite sowie die Gerichtskosten sind vom Verlierer zu tragen. Selbst bei Prozessen mit sehr guten Erfolgsaussichten müssen die Parteien in Vorleistung bezüglich ihrer eigenen Kosten gehen. Dieses Kostenrisiko kann durch die Einschaltung eines Prozessfinanzierers abgewehrt werden. Unter bestimmten Voraussetzungen übernehmen die prozessfinanzierenden Finanzdienstleister sämtliche Kosten, die für das Verfahren anfallen. Bei einer Niederlage ist diese Dienstleistung völlig kostenlos. Im Falle eines erfolgreich durchgesetzten Anspruchs berechnen die Prozessfinanzierer dafür einen Anteil von 20 bis 30 Prozent des gewonnenen Anspruchs.

Die Prozessfinanzierung lohnt sich damit vor allem für Unternehmer, die ihr Kapital nicht mit einem Prozess belasten wollen. Aber auch Privatleute können bei hohen Streitwerten von der Einschaltung eines Prozessfinanzierers profitieren. Es ist allerdings zu beachten, dass die Prozessfinanzierer nicht jeden Rechtsstreit übernehmen, sondern diesen zuvor sehr genau überprüfen.


Voraussetzungen für eine Prozessfinanzierung

Für den Prozessfinanzierer stellt die Übernahme der Prozesskosten natürlich ein hohes Risiko dar. Wird der Prozess verloren, trägt das Unternehmen alle Kosten des Kunden sowie der Gegenseite. Deshalb werden nur Prozesse finanziert, die gute Erfolgsaussichten haben. Außerdem muss der geltend gemachte Anspruch meist über 50.000 oder sogar 100.000 Euro liegen. Auch die Solvenz der Gegenseite wird genau geprüft. Falls nicht zu erwarten ist, dass eine Vollstreckung des gewonnenen Urteils gegen den Beklagten erfolgreich sein wird, kommt auch keine Prozessfinanzierung in Betracht.

Für die Prüfung benötigt der Prozessfinanzierer aussagekräftige anwaltliche Unterlagen. Die Prozessfinanzierung kann deshalb regelmäßig nicht im Alleingang in Anspruch genommen werden, sondern wird über den eigenen Anwalt beantragt. Antrag und Prüfung der Kostenübernahme sind dabei im Regelfall kostenlos. Kosten entstehen, wie bereits erwähnt, bei der Inanspruchnahme der Prozessfinanzierung daher nur bei einem gewonnenen Prozess im Form einer „Gewinnbeteiligung“.


Anwälte müssen über Prozessfinanzierung aufklären

Eine mögliche Prozessfinanzierung ist nicht nur für Mandanten, sondern auch für Anwälte attraktiv. Dieser kann das Insolvenzrisiko seines Mandanten umgehen und die Prozessfinanzierung als Argument nutzen, um Mandanten die Angst vor einem zu hohen Kostenrisiko zu nehmen. Darüber hinaus besteht nicht die Gefahr, einen erfolgsversprechenden Prozess auf halber Strecke mit einem Vergleich beenden zu müssen, weil der Mandant die weiteren Kosten eines Verfahrens nicht mehr tragen will. Es liegt deshalb schon im eigenen Interesse der Anwälte, ihre Mandanten über die Möglichkeit der Prozessfinanzierung zu informieren.

In einigen Situationen kann darüber hinaus sogar eine Informationspflicht des Anwalts gegenüber seinem Mandanten bestehen. Diese ist insbesondere bei hohen Streitwerten und guten Erfolgsaussichten zu beachten. Unterlässt der Anwalt in diesem Fall die Aufklärung über die Möglichkeit einer Prozessfinanzierung, macht der Mandant seinen Anspruch möglicherweise nicht vor Gericht geltend. Dadurch kann ein finanzieller Schaden entstehen, für den der Anwalt unter Umständen haften muss.

 


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