So sollten Sie sich als Zeuge einer Straftat verhalten

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Ueberfall620

In einer U-Bahn-Station tritt eine Gruppe von Männern auf einen am Boden liegenden Mann ein. Ein Zeuge greift ein, um Schlimmeres zu verhindern, und fällt selbst der Gewalt zum Opfer. Die Diskussion über Zivilcourage tritt durch solche Ereignisse regelmäßig ins öffentliche Bewusstsein. Wie aber verhält man sich richtig?


Eingreifen, aber mit Verstand

Zivilcourage ist wichtig, aber niemand erwartet Heldentaten. Abhängig davon, welche Straftat konkret begangen wird, gilt: Wenn Sie glauben, dem Täter nicht gewachsen zu sein, dann halten Sie sich zurück. Schätzen Sie Ihre eigenen Fähigkeiten, insbesondere Ihre Stärke, ein und vertrauen Sie Ihrer Intuition.


Hinsehen, Hilfe rufen, merken

Schauen Sie bewusst und genau hin. Versuchen Sie, sich die wichtigsten Aspekte zu merken. Dazu zählen z. B. das Gesicht, die äußere Erscheinung und andere Auffälligkeiten des Täters. Was macht er konkret? Wie sind die äußeren Umstände beschaffen? Merken Sie sich die Uhrzeit. Alles, was Sie behalten, dient einer erfolgreichen Strafverfolgung. Eine Aufzeichnung mit der Handykamera kann später als Beweismittel dienen.

Rufen Sie umgehend Hilfe. Wählen Sie 110 und verständigen Sie die Polizei. Es werden Ihnen konkrete Fragen gestellt werden, insbesondere was genau geschieht, wer beteiligt ist und wo Sie sich befinden. Hier helfen Ihre bewussten Beobachtungen. Befolgen Sie etwaige Anweisungen der Polizeibeamtin oder des Polizeibeamten.

Sind andere Personen anwesend, so beziehen Sie diese mit ein: als weitere Zeugen oder als Helfer, z. B. um den Täter in seinem Handeln zu unterbrechen oder um das Opfer zu versorgen. Sie und idealerweise ein weiterer Zeuge sollten der Polizei später für eine Aussage vor Ort zur Verfügung stehen. Diese Aussage dient der Ermittlungstätigkeit der Polizei und ersetzt nicht eine Zeugenaussage vor Gericht.


Alles noch einmal aufschreiben

Wenn Sie wieder zu Hause sind, nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, um sich in Ruhe hinzusetzen und noch einmal alles, was Sie gesehen und behalten haben, aufzuschreiben. Diese Notizen nehmen die Anspannung von Ihnen, entlasten Ihr Gedächtnis und können bei einer späteren Gerichtsverhandlung nützlich sein, falls Sie für eine Zeugenaussage vor Gericht geladen werden. Diese Ladung kann nur unter besonders schwerwiegenden Umständen abgelehnt werden, denn sie dient dem Gericht dazu, das Geschehen vollkommen zu erfassen und darauf gestützt sein Urteil zu fällen. Umso wichtiger ist es, dass Sie sich für eine eventuelle Ladung bereithalten und vorbereiten.
Sollten Sie mit dem Täter verwandt, verschwägert oder gar verheiratet sein, so steht Ihnen das Recht zu, die Aussage zu verweigern. Man spricht von einem sogenannten Zeugnisverweigerungsrecht. Es obliegt Ihnen zu entscheiden, ob Sie angesichts der Tat von diesem Recht Gebrauch machen wollen. Dasselbe gilt für den Fall, dass Sie Kenntnis von einer Straftat erlangen und nun erwägen, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. In manchen Fällen, etwa wenn ein Mord oder eine räuberische Erpressung geplant wird, können Sie strafrechtlich belangt werden, wenn Sie von diesem Vorhaben Kenntnis erlangen und dies den Polizeibehörden nicht rechtzeitig mitteilen.
Sollten Sie sich als Zeuge Ihrer Rechte unsicher sein, steht es Ihnen auch frei, sich jederzeit von einem Anwalt Ihrer Wahl beraten zu lassen bevor Sie mit der Polizei sprechen oder vor Gericht erscheinen.


Das advofinder Fazit: Für den Fall der Fälle gewappnet sein

Verfolgen Sie einen Täter nicht alleine, sondern holen Sie sich erst weitere Helfer hinzu. Wappnen Sie sich für den Ernstfall mit dem nötigen Wissen und grundlegenden Kenntnissen in Erste-Hilfe-Maßnahmen. Bedenken Sie, dass jeder Bürger rechtlich verpflichtet sein kann, einer anderen Person Hilfe zu leisten, wenn es die Situation erfordert und die Hilfeleistung den Umständen nach zumutbar ist. Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, kann mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft werden laut § 323c Strafgesetzbuch (StGB).

 


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