Langsame Landessozialgerichte müssen wartende Kläger entschädigen

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Gerichtstreppe620

Das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg hat klagenden Bürgern innerhalb der letzten Monate in mehreren Fällen Entschädigung wegen überlanger Verfahrensdauer in sozialgerichtlichen Streitverfahren zugesprochen. Die Entscheidungen beruhen auf dem Gesetz über den Rechtsschutz bei überlangen Gerichtsverfahren und strafrechtlichen Ermittlungsverfahren vom 24. November 2011. Alle vor den Sozialgerichten geführten Streitverfahren hatten für die Kläger erhebliche Bedeutung.

Eine Entschädigung von 3600 Euro sprach das Landessozialgericht einem Bürger zu, der vor dem Sozialgericht Cottbus acht Jahre auf eine Entscheidung hatte warten müssen (Urteil vom 04.09.2013, Aktenzeichen L 37 SF 65/12 EK U). Gegenstand des Streits mit der Unfallkasse war die Frage, ob eine Erkrankung (toxische Enzephalopathie) als Berufskrankheit einzuordnen ist. Das Landessozialgericht sah den Rechtsstreit als überdurchschnittlich komplex an, weil verschiedene Ermittlungen zum Sachverhalt durchzuführen waren. Unter eingehender Analyse des konkreten Verfahrensablaufs erkannte das Gericht jedoch eine Überlänge von drei Jahren.

Mit einem Urteil vom 20.12.2013 (Aktenzeichen L 37 SF 82/12 EK R) sprach das Landessozialgericht einem Kläger eine Entschädigung in Höhe von 1300 Euro zu. In diesem vor dem Sozialgericht Berlin geführten Rechtsstreit vergingen vier Jahre und neun Monate vom Eingang der Klage bis zur Zustellung des Urteils. Gegenstand des Klageverfahrens war die Aufhebung der Bewilligung einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung bei Berufsunfähigkeit. Diesen Rechtsstreit sah das Gericht als allenfalls durchschnittlich schwierig an. Gleichwohl sei es bei dem Sozialgericht zu zwei längeren Bearbeitungspausen gekommen, die die Zuerkennung einer Entschädigung rechtfertigten.

Der zuständige 37. Senat hat in beiden Entscheidungen betont, dass stark vom Einzelfall abhängig ist, ob ein Verfahren als „überlang“ anzusehen ist. Insgesamt hat der 37. Senat bislang sieben Urteile auf Entschädigungsklagen gefasst; dabei hatten die Kläger in vier Fällen Erfolg, dreimal kam es zur Klageabweisung.

Die Möglichkeit einer Entschädigung wegen zu lange dauernder Prozesse gibt es seit Geltung des „Gesetzes über den Rechtsschutz bei überlangen Gerichtsverfahren und strafrechtlichen Ermittlungsverfahren vom 24. November 2011. Zuständig für die Entscheidung über Entschädigungsklagen ist im Bereich der Sozialgerichtsbarkeit das Landessozialgericht in Potsdam als gemeinsames Obergericht der Länder Berlin und Brandenburg.

Das Verfassungsgericht des Landes Brandenburg hat schon in einem Urteil vom 17. Dezember 2009 (Aktenzeichen 30/09) darauf hingewiesen, dass von Verfassungs wegen eine Verpflichtung des Staates bestehe, sämtliche notwendigen Maßnahmen zu treffen, damit Gerichtsverfahren zügig beendet werden können. Landesregierung und Haushaltsgesetzgeber hätten daher die Einhaltung einer angemessenen Verfahrensdauer durch die Organisation der Gerichtsbarkeit und deren personelle und sächliche Ausstattung sicherzustellen. Besondere Bedeutung komme dabei der Personalbedarfsberechnung zu. Sie habe den Anspruch des Bürgers auf ein zügiges Gerichtsverfahren zu beachten.

QUELLE: Landessozialgericht Berlin-Brandenburg

 


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