Preise der Onlineshops bei mobilem Web-Shopping oftmals höher als am PC

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Der mobile Interneteinkauf birgt mehr Gefahren als die Festnetz-Variante mit PC und großem Bildschirm. Das hat die Verbraucherzentrale NRW im Rahmen eines Praxistests in deutschen Onlineshops festgestellt.

Die Verbrauchertester haben sich mit Smartphone, Tablet und iPad bei Onlinehändlern umgeschaut. Frust stellte sich bereits ein, wenn Geräte mit Displays zwischen drei und neun Zoll immer wieder auf dafür nicht optimierte Händler-Seiten trafen. Die Navigation mit Daumen und Zeigefinger machte es schwierig bis fast unmöglich, Produkte auszuwählen oder sie in den Warenkorb zu legen.

Unverständlich: Obwohl Firmen eine spezielle Seite für iPad & Co betreiben, wurden die Test-Geräte bisweilen einfach auf die komplexere PC-Variante umgeleitet - oder aber, die maßgeschneiderte Seite mochte partout nicht laden. Doch auch wer es in die Welt der angepassten Web-Schaufenster schafft, bleibt von Ärgernissen nicht verschont. So landete man etwa nach Eintippen des Händlernamens A (Getgoods, Tanc) in die Adresszeile des Browsers unverhofft im Shop von Händler B (Hoh, Schuhdealer).

Vor allem bei Sonderangeboten heißt es oftmals für mobile Schnäppchenjäger: "Wir müssen leider draußen bleiben." Beispiele dafür waren der Technikshop Pearl sowie Hornbach: Die Baumarkt-Kette feierte prominent auf der PC-Seite eine "Raus-damit"-Aktion. Bei der lockten mehr als 100 drastisch reduzierte Artikel, vom Gartentisch bis zum Hochdruckreiniger. Auf der angepassten Seite für Handys jedoch fahndeten die Tester - selbst mit Hilfe der verdutzten Hornbach-Hotline - vergebens nach den Knallern.

Sogar Apps bereiteten Probleme en masse. Dabei wollen Firmen, die die Mini-Programme via iTunes und Googleplay gratis offerieren, eigentlich zeigen, dass sie sich besonders um Handy-Kunden mühen. Apps verheißen "ein erstklassiges online Shopping-Erlebnis" (eBay-Werbung). Schön wär´s. Des Öfteren nämlich konnten Apps nicht genutzt werden, weil sie mit der eingesetzten Gerätschaft nicht kompatibel waren. Bei der Teleshopping-Firma QVC wiederum öffnete sich nach der Installation lediglich ein interaktiver Katalog. Motto: Blättern ja, kaufen nein. Schlimmer noch: Immer wieder stießen die Tester auf Ungereimtheiten bei Produkt- und Preisangaben. Mal fehlten Angebote komplett, mal veränderten sich Preise irreführend wie von Geisterhand: von der Suchliste über die Detaildarstellung über den Warenkorb bis hin zur Kasse. Mehrere Beispiele dafür bot Otto. Wer etwa per iPad-App eine Sony Kamera, die regulär 149,99 Euro kostete, in den Warenkorb legte, durfte staunen, wie der Preis dort auf 169,99 Euro schoss. Auch Branchenprimus Amazon patzte wiederholt bei "Blitzangeboten". So wurde bei der Suche per Android-App ein Grundig-Bartschneider mit 19,99 Euro angezeigt. Erst ein weiterer Klick auf den Artikel brachte den aktuellen Preis von 15,99 Euro aufs Display. Kurios: Während Amazons Apple-App hier korrekt arbeitete, lief es auf der mobilen Android-Seite wieder fehlerhaft. Über diesen Weg verärgerte auch eBay. Ein Damen-Blazer, als eBay-WOW für 99 Euro beworben, verschwand nach einem Klick im Web-Nirwana. Wechselnde Preise bei einem Produkt während des Such- und Bestellprozesses waren auch bei den Apps von MediaMarkt und Conrad zu notieren.

Kaum zu glauben waren die Erlebnisse bei insgesamt zehn Onlineshops in der Stichprobe. Bei denen legten die Tester im mobilen Warenkorb Produkte ab, die es zeitgleich via PC deutlich billiger gab. Das reichte von 2,09 statt 1,04 Euro für Hygiene-Einlagen (Allyouneed) bis hin zu einem Ultrabook (Notebooksbilliger), das statt 699 satte 200 Euro mehr kosten sollte. Gleiches passierte bei Cyberport, Otto und Technikdirekt. Bei fünf Unternehmen drückte die Verbraucherzentrale per Handy auf den Kaufen-Button: jeweils auf den mobilen Seiten von Capellishop und Comtech, von Dewall-Design und Trendaffe sowie von Uhrzeit.org. Ein überaus teures Vergnügen im Vergleich zum PC-Kauf. Die Wintermütze Pom Pom von Capellishop kostete so statt 3,95 Euro nunmehr fast 10 Euro. Comtech wiederum zog bei einem 47-Zoll-TV satte 150 Euro mehr vom Konto ein: 1149 statt 999 Euro. Alle fünf Käufe zusammen wären am PC 304,20 Euro billiger gekommen.

Was viele erstaunen wird: Verboten ist diese unterschiedliche Preisgestaltung zwischen PC und Handy nicht. Deshalb ist es nach Meinung der Verbraucherzentrale NRW dringend angeraten, bei einer mobilen Shoppingtour die Einkaufsumme zeitnah mit den Preisen auf der PC-Seite des Händlers abzugleichen. Denn Online-Bestellungen können in der Regel innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt der Ware widerrufen werden.

Rätselhaft ist, ob Händler um die mobilen Erlebnisse der Konsumentenschützer wissen oder ob sie auf technischen Problemen beruhen. Echtes Interesse an einem Zweiklassen-Preismodell sollten Online-Unternehmen eigentlich nicht haben. Andernfalls könnten Millionen Kunden das Vertrauen in diese Art des Shoppings verlieren. Auf Nachfrage antworteten die Mehrkassierer-Shops wie Uhrzeit.org, der sich für eine Herrenuhr (PC-Preis 189 Euro) einen Handy-Aufschlag von 60 Euro gegönnt hatte: "Unsere Preise und Konditionen sind stets gleich, egal auf welchem Wege Sie Ihre Bestellungen tätigen."

QUELLE: Verbraucherzentrale NRW

 


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