Fristlose Kündigung einer Küchenhilfe, die Rotkohl entwendete, ist unwirksam

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Ticker - Recht aktuell

Einer Küchenhilfe, die Rotkohl aus der Kantine entwendete, kann nicht fristlos gekündigt werden. Selbst dann nicht, wenn der Arbeitgeber sie regelmäßig schriftlich auf das Verbot der Mitnahme an Speisen hinweist und bei Verstößen mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen droht. Das hat das Arbeitsgericht Essen entschieden.

Eine Küchenhilfe einer Bundeswehrkantine hatte versucht, zwei Kilo nicht mehr benötigten Rotkohl mit heimzunehmen. Gerade einmal sechs Tage zuvor unterschrieb sie die halbjährliche Belehrung aller Küchenmitarbeiter, die es ausdrücklich verbietet, Speisen aus der Küche mitzunehmen. Dabei sei es unerheblich, ob diese noch benötigt werden oder nicht. Da sich die Küchenhilfe trotz ausdrücklicher Belehrung über das Verbot hinwegsetzte, wurde ihr fristlos gekündigt.

Die langjährige Arbeitnehmerin aber wehrte sich mit einer Kündigungsschutzklage. Trotz der Belehrungen sei die Praxis in der Truppenküche eine andere: Unter den Kollegen sei es durchaus üblich, Essensreste mitzunehmen, die nicht mehr benötigt würden. Daher hatte sie den Rotkohl auch nicht heimlich entwendet, sondern offen vor den Augen aller Kollegen. Darüber hinaus sei kein Schaden entstanden, da die Reste ohnehin entsorgt werden würden.


Ordentliche Kündigung wäre angemessen gewesen

Der zuständige Richter betonte, dass durchaus ein Diebstahl zur fristlosen Kündigung führen kann - sei der Wert des Diebesguts auch noch so gering. Auch sei es unerheblich, ob der Rotkohl überhaupt noch verwendet wurde oder nicht. So oder so habe die Mitarbeiterin nicht das Recht, sich über das ausdrückliche Verbot hinwegzusetzen. Dennoch durfte ihr nicht fristlos gekündigt werden, entschied das Gericht, da eine Kündigungsfrist zumutbar gewesen wäre.

Eine außerordentliche Kündigung ist stets das letzte Mittel für den Arbeitgeber, wenn mildere Konsequenzen, wie eine Abmahnung oder eine ordentliche Kündigung, unzumutbar sind. Denn nach Ansicht des Arbeitsgerichts spreche für die Arbeitnehmerin, dass der Rotkohl von geringem Wert ist und sie ihn nicht heimlich entwendete. Zudem sei sie viele Jahre in der Truppenküche beschäftigt gewesen und weder abgemahnt noch ermahnt worden. Da für eine ordentliche Kündigung der Personalrat nicht angehört wurde, ist das Arbeitsverhältnis auch nicht wirksam aufgelöst worden.

Arbeitsgericht Essen, Urteil vom 18.12.2013, Aktenzeichen 6 Sa 203/13

QUELLE: Deutsche Anwaltshotline

 


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