Aussteiger-Vater kann kein gemeinsames Sorgerecht beanspruchen

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Sind die Weltanschauungen zweier getrennt lebender Eltern zu verschieden, ist ein gemeinsames Sorgerecht nicht möglich. Denn dadurch fehle eine soziale Beziehung zwischen den Eltern. Das beschloss das Oberlandesgericht Karlsruhe.

Der verhandelte Fall: Ein Vater hatt das gemeinsame Sorgerecht für seine fünfjährige Tochter gegen den Willen der Mutter beantragt. Die Frau hatte sich fünf Jahre lang allein um das Kind gekümmert. Nach langer Funkstille schickte ihr der Mann in jüngerer Vergangenheit immer wieder Drohbriefe. Seine Erziehungsvorstellungen, wie etwa der Tochter den Umgang mit Schusswaffen beizubringen, teilte die Frau nicht. Der Vater gab an, sein Leben basiere auf "Survival". Sobald er kein Geld mehr habe, würde sein Leben erst richtig interessant. Die Absicht, dem Kind das Schießen beibringen zu wollen, begründete er damit, man müsse etwa in Alaska oder Spitzbergen auf die Jagd gehen und sich vor Bären schützen können. Allerdings wolle er dies erst tun, wenn seine Tochter das passende Alter erreicht habe.

Das Oberlandesgericht Karlsruhe entschied schließlich gegen ein gemeinsames Sorgerecht. Dieses würde hier dem Kindeswohl widersprechen. Die Lebenswelten des Aussteigers und der bürgerlichen Mutter seien zu unterschiedlich. Das kann zur Folge haben, dass die Eltern keinen gemeinsamen Nenner in Erziehungsfragen mehr finden. Aber das sei für das gemeinsame Sorgerecht unverzichtbar. Zwar ermögliche die Diskussion unterschiedlicher Auffassungen über Einzelfragen erst die bestmögliche Erziehung. Doch nicht zuletzt durch die Drohbriefe sei das Verhältnis der beiden Elternteile extrem gestört und die nötige soziale Beziehung sei nicht mehr möglich, so das Gericht.

OLG Karlsruhe, Urteil vom 02.04.2015, Aktenzeichen 18 UF 253/14

QUELLE: Deutsche Anwaltshotline

 


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