Auch nach Tätlichkeit nicht immer fristlose Kündigung

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Wer seinen Kollegen am Kragen packt und ihn bedroht, weil der einen Verstoß gegen die Dienstanweisungen melden möchte, der kann trotzdem nicht ohne Weiteres fristlos entlassen werden. Das entschied das Landesarbeitsgericht Hamm.

Der verhandelte Fall: Ein Kraftfahrer arbeitete seit über drei Jahren für ein Unternehmen. Seine Firma wies ihn an, das Rolltor der Ladezone nach 22:00 Uhr immer abzuschließen. Daran hielt sich der Fahrer aber nicht. Das fiel einem Kollegen auf, der ihn zur Rede stellte. Sollte das noch mal vorkommen, würde der Kollege seine Nachlässigkeit melden. Daraufhin wurde der Lkw-Fahrer aggressiv und packte seinen Kollegen am Kragen. Er lies ihn aber los, als der Kollege ihn dazu aufforderte und die beiden arbeiteten zunächst weiter. Als der Vorfall herauskam, kündigte der Betrieb dem Fahrer fristlos. Er war bereits vorher wegen aggressiven Verhaltens und Unpünktlichkeit abgemahnt worden. Gegen die Kündigung wehrte er sich vor Gericht.

Das Landesarbeitsgericht Hamm erklärte die fristlose Kündigung für unwirksam.

Grundsätzlich können Handgreiflichkeiten zwar einen Kündigungsgrund darstellen. Arbeitnehmer hätten die arbeitsvertragliche Pflicht, ihre Konflikte untereinander friedlich oder im Zweifelsfall mithilfe des Vorgesetzten zu lösen, so das Gericht. Es komme aber auf die Intensität an. Der Angriff sei im Verhältnis zu anderen denkbaren Tätlichkeiten wenig intensiv abgelaufen. Dem Kläger kommt auch zugute, dass er bereits dreieinhalb Jahre angestellt ist sowie seiner Frau und zwei Kindern unterhaltspflichtig ist. Höchstens wäre eine fristgemäße Kündigung denkbar, weil der Kraftfahrer bereits vorher wegen solchem Verhalten abgemahnt worden ist. Die Abmahnungen seien aber für die hier vorliegende fristlose Kündigung irrelevant.

LSG Hamm, Urteil vom 14.08.2015, Aktenzeichen 13 Sa 576/15

QUELLE: Deutsche Anwaltshotline

 


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