Persönlichkeitsrecht einer Schülerin wiegt schwerer als Recht auf Meinungsäußerung

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Schuelerin620

Eine Lehrerin, die ein Buch über ihre ehemaligen Grundschüler schreibt, darf deren vollständige, richtige Namen nicht ohne Zustimmung nennen. Das gilt besonders dann, wenn ein Schüler negativ dargestellt wird. Das entschied der Bundesgerichtshof.

Der verhandelte Fall: Ein als hochbegabt eingestuftes Mädchen sollte vorzeitig in die dritte Klasse wechseln. Die Lehrerin dieser Klasse war allerdings dagegen und versuchte, sie ohne Einverständnis der Schulleitung wieder in die zweite Klasse zurück zu versetzen. Die Grundschülerin, deren Mutter und die Lehrerin stritten sich daraufhin über mehrere Monate. Vier Jahre später veröffentlichte die Lehrerin ein Buch, indem sie den Vorfall schilderte. Sie beschrieb das Mädchen als unreife "Möchtegernüberspringerin" und "Pseudo-Hochbegabte" mit  mangelhaften Schreib- und Rechenfähigkeiten. Da sie auch den vollen Namen der Schülerin nannte, klagten das Mädchen und deren Mutter.

Das Bundesverfassungsgericht gab den beiden recht. Die Lehrerin habe das Persönlichkeitsrecht der Schülerin verletzt, da die veröffentlichte Identität die kindgemäße Entwicklung störe.

Die Lehrerin hätte ohne die Einwilligung des Mädchens und ihrer Familie sie nicht in ihrem Buch namentlich erwähnen dürfen. Das Recht der Lehrerin, ihre Meinung frei zu äußern, tritt hier in den Hintergrund. Die Lehrerin muss deswegen eine  Entschädigung an die Schülerin zahlen und zukünftig nur anonymisierte Namen verwenden.

BGH, Urteil vom 15.09.2015, Aktenzeichen VI ZR 175/14

QUELLE: Deutsche Anwaltshotline

 


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